INTENSIVFORTBILDUNG ENGLISCH
UNIVERSITY
OF HOUSTON, TEXAS 1999
Projekt
unter der Leitung von Prof. Will Weber
Fall
Semester 1999 (23. August bis 4. Dezember 1999)

Gabriela D. Enderli
KV
INHALTSVERZEICHNIS
I. AUSGANGSLAGE,
ZIELSETZUNG, VORGEHEN
II.i. PRINCIPLES AND
ISSUES OF MULTILINGUAL EDUCATION
II.ii. COMPUTERS IN THE
CLASSROOM
II.iii MICROCOMPUTER APPLICATIONS IN EDUCATIONAL
MANAGEMENT
III. RESULTATE, ERGEBNISSE, ZUSATZQUALIFIKATIONEN
IV. BESUCHTE SCHULEN IN HOUSTON UND UMGEBUNG
VII.PERSÖNLICHE ÜBERLEGUNGEN UND EINDRÜCKE
B. LINKS ZUM TEXANISCHEN BILDUNGSSERVER
I. AUSGANGSLAGE, ZIELSETZUNG, VORGEHEN
Einführende
Überlegungen
Bei
meiner Tätigkeit als Englischlehrerin an einer Schule wie der KV Zurich
Business School, werde ich immer wieder mit zwei Aspekten des Unterrichtens
konfrontiert. Zum einen ist es eine grosse Herausforderung, aber auch eine
unumgehbare Tatsache, dass der Computer im Klassenzimmer sowie die
Informationsbeschaffung via Internet in der Schule, wie auch im Berufsleben
einen grossen Stellenwert hat. Dass sowohl in Forschung wie auch im
Geschäftsbereich englisch die Sprache der Kommunikation und Information ist,
macht es im modernen Englischunterricht besonders wichtig, sich mit dieser Art
der Kommunikation und Informationsbeschaffung kritisch auseinanderzusetzen. Wie
kann der Computer, und insbesondere das Arbeiten mit dem INTERNET, sinnvoll im
Englischunterricht eingesetzt werden? Der zweite Aspekt, mit dem ich mich
während meines Aufenthaltes beschäftigte, ist der der multikulturellen und
multilinguistischen Gesellschaft, der sich auch im Klassenzimmer widerspiegelt.
Nicht nur in Amerika, sondern weltweit, und damit auch in der Schweiz, finden
mehr und mehr wechselseitige Ein- und Auswanderungen statt. Menschen
verschiedenster Sprachen, Kulturen und Religionen finden sich an einem für sie
neuen Ort und müssen sich an andere Sprachen, Regeln und Traditionen gewöhnen.
Auch in der Schweiz, und besonders in Zürich, findet dieser Austausch täglich
statt. An der KV Zurich Business School findet sich keine Klasse, die in dieser
Hinsicht homogen ist. Dies ist eine interessante Herausforderung, birgt jedoch
auch Konflikte, mit denen man sich auseinandersetzen sollte. Diese Überlegungen
bewogen mich, zwei Computerkurse ('Computers In The Classroom' und
'Microcumputer Applicatons In Educational Management') sowie einen Kurs, der
sich dem multilinguistischen Unterricht widmet, an der University of Houston zu
belegen. Die Kurse sind Bestandteil der texanischen Lehreraus- und
-weiterbildung.
Der
Kurs 'Principles and Issues of Multilingual Education', beschäftigt sich
insbesondere mit der Problematik, spanisch sprechende Kinder in der Schule von
den englisch sprechenden zu trennen, um diesen während einer gewissen Zeit die
Möglichkeit zu geben, englisch von Grund auf in speziellen Klassen zu lernen.
Aufgrund der wachsenden Zahl der Einwanderer mit spanischer Muttersprache (in
Houston annähernd 50% der Bevölkerung) begann man vor einigen Jahren, in Harris
County ESL (English as a Second Language)-Klassen in die öffentlichen Schulen
einzuführen. In diesen Klassen werden ausschliesslich Kinder spanisch
sprechender Familien unterrichtet. Dies mit dem Ziel, sie später, wenn sie des
Englischen mächtig sind, in "Mainstream Classes" zu integrieren, wo
sie mit Schülern aus englisch sprechenden Familien unterrichtet werden. Meine
Überlegung, diesen Kurs zu belegen, begründet sich darin, dass im Kanton Zürich
vergleichbare Bestrebungen diskutiert werden, ausländische Kinder in
Spezialklassen zu unterrichten. Mit dem Studium dieses Sachverhaltes,
Gesprächen mit Lehrpersonen und Professoren sowie vorläufigen Erfahrungen, die
texanische Schulen damit gemacht haben, erhoffte ich, mir einen kleinen
Einblick in Vor- und Nachteile dieser Einteilung zu verschaffen.
Neben
dem theoretischen Studium dieser beiden Aspekte des Unterrichtens und deren
sozialen Auswirkungen knüpfte ich Kontakte mit verschiedenen Lehrpersonen an
unterschiedlichen Schulen, deren Klassen ich besuchen durfte, und erhielt so
weitere wertvolle Informationen nicht nur über verschiedene Lehrpläne und
-ziele, sondern auch Probleme der Disziplin unter den Schülern und wie man
versucht, sie zu lösen.
Warum Houston,Texas?
Obwohl
immer wieder kontrovers diskutiert, lässt sich die Tatsache nicht leugnen, dass
sich Facetten der Vereinigten Staaten in den verschiedensten Lebensbereichen
Europas, und damit auch der Schweiz niederschlagen. Sei es durch die
amerikanische Filmindustrie, wirtschaftlichen Austausch oder in der Forschung.
Seit einiger Zeit sind ebenfalls Bestrebungen im Kanton Zürich im Gange, das
öffentliche Schulsystem dem amerikanischen anzugleichen. Diese Tatsache
erfordert jedoch, sich intensiver mit diesem System im Lande selbst
auseinanderzusetzen, um einen Vergleich anzustellen und möglicherweise ein
Urteil zu fällen.
Nun
variieren Schulsystem, Voraussetzungen und Anforderungen in den USA von Staat
zu Staat erheblich. Somit kann und will ich keine pauschale amerikanische
Schulpolitik beschreiben, sondern beschränke mich ausschliesslich auf meine
Erfahrungen in Houston, Texas.
Houston
ist sehr fortgeschritten in computertechnischen Aspekten, wie auch dem damit
verbundenen Wissen über und um das INTERNET. An der University of Houston hatte
ich nicht nur Gelegenheit, interessante und interessierte Studenten, ebenfalls
Lehrer in der Weiterbildung, kennenzulernen, sondern auch das Glück,
professionelle und hochmotivierte Ausbildner in den Dozenten zu haben.
Dass
ich Houston als Ziel meines Studiums gewählt habe, liegt darin begründet, dass
ich seit mehreren Jahren Kontakt mit einem schwarzen Todessträfling, Michael Norris, in Huntsville, Texas,
habe, dessen Mutter und Geschwister in Houston wohnen. Ich habe und hatte die
Möglichkeit, bei der Mutter zu wohnen und damit in das soziale Umfeld
integriert zu werden. Während meines derzeitigen Aufenthaltes, aber auch schon
bei früheren Besuchen konnte ich feststellen, dass in den Südstaaten, und
insbesondere Texas, die Segregierung zwischen Weissen und Schwarzen nach wie
vor vorherrscht. So wohnte ich in einer armen, schwarzen Wohngegend und
studierte an einer vorwiegend weissen Universität.
Neben
meinem Studium und verschiedenen Schulbesuchen besuchte ich Michael einmal
wöchentlich im Gefängnis. Obwohl das Straf- und Justizsystem in den USA nicht
in direktem Zusammenhang mit meiner Fortbildung steht, möchte ich doch darauf
hinweisen, dass es nicht vom amerikanischen (hier:texanischen) Schulsystem
getrennt werden kann. Zum einen ist die Kriminalität, aber auch die
Gewaltbereitschaft in den Schulen sehr hoch, zum anderen erfüllt die
Strafjustiz hier eine erzieherische Funktion, die zwar fragwürdig, jedoch
omnipresent ist. Gefängnisse und Gerichtshöfe auf allen politischen Ebenen
nehmen in Texas einen grösseren Raum ein als Schulen; dies sowohl physisch als
auch im abstrakten Sinne. Gesetze und deren Durchsetzung sollen zur Erziehung
der Bürger dienen, was sich auch in der Führung der Schulen niederschlägt.
Äusserste Disziplinierung steht im Vordergrund. Die Schüler tragen eine
sichtbare mit Foto gekennzeichnete Identifikation, stellen sich in Reih und
Glied vor den Schulbus und werden einzeln eingelassen, nachdem ihre Identität
von einem Lehrer anhand einer Namensliste geprüft wurde. Die Mittagspause
müssen die Lehrer mit ihren Klassen verbringen, die wiederum in Reih und Glied
stehen müssen, bevor die Lehrperson ihnen die Erlaubnis erteilt, sich das Essen
zu holen. Die Angst vor Gewalt und Kriminalität an den Schulen ist hoch und
nicht unbegründet. Es passieren immer wieder Vorfälle bis hin zu Totschlag und
Mord unter Schülern.
In
den fast vier Monaten, die ich in Texas verbringen durfte, habe ich ein
komplexes Bild über das Leben hier und das Schulsystem insbesondere erhalten.
Der
erste Teil meines Berichtes beschäftigt sich mit Inhalt und Resultaten der von
mir gemachten Forschung in Bezug auf verschiedene Aspekte des Unterrichtens.
Ich möchte damit beginnen, die von mir gewählten Kurse und die damit erworbenen
Zusatzqualifikationen an der Universität zu beschreiben. Zur Illustration
dienen Links zur Universität, wo in einem Portfolio eingesehen werden kann,
welche Überlegungen zum Computereinsatz im Unterricht gemacht wurden und welche
Fähigkeiten ich diesbezüglich erworben habe.
Dann
folgt eine kurze Darstellung der von mir besuchten Schulen und Lektionen sowie
von Gesprächen mit Lehrpersonen und Rektoren. Im Anhang befindet sich ein Link
zum texanischen Bildungsserver, der über die gesetzlichen Aspekte und
Forderungen des Schulsystems informiert.
Das
"College of Education" der Universität befindet sich in einem grossen
Park in der Stadt. Die Studenten sitzen oft draussen, wo sie lesen und Arbeiten
erledigen. Die Bibliothek ist jeden Tag von 8 Uhr morgens bis Mitternacht
geöffnet, sonntags bis 20 Uhr. Sie ist versehen mit etwa 50 modernen Computern
und Druckern, die für die Studenten zugänglich sind. Die verschiedenen
Abteilungen der Universität sind grossräumig verteilt und nur teilweise mit dem
Auto erreichbar. Die Universität hat eine eigene Polizei, die bei Problemen zur
Verfügung steht. So fuhr mich beispielsweise ein junger Polizist einmal abends
nach Hause, als ich meinen Autoschlüssel verlegt hatte.
Die
University of Houston ist eine der drei grossen Universitäten in Houston und
hat etwa 33'000 Studenten verschiedener Nationalitäten.
Im
folgenden eine kurze Beschreibung der Kurse in meinem Projekt:
II.i.
PRINCIPLES AND ISSUES OF MULTILINGUAL EDUCATION
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In
diesem Kurs bearbeiteten und diskutierten wir die Problematik des
Englischunterrichts für nicht englisch sprechende Kinder, mit besonderer Beachtung
der spanisch sprechenden Bevölkerung. Dabei behandelten wir insbesondere den
Spracherwerb zweisprachiger Kinder. Eine wichtige Grundlage unserer Forschung
hier war eine Sammlung von Forschungsberichten, die in dem Buch Language
Issues in Literacy and Bilingual/Multicultural Education (Masahiko Minami
und Bruce P. Kennedy) zusammengetragen sind. Die in der folgenden Ausführung
verwendeten Begriffe sind die offiziell in Texas angewandten Unterscheidungen
zwischen schwarzen (Blacks) und weissen Amerikanern (Whites) sowie spanisch
sprechenden Einwanderern (Hispanics).
Obwohl
bewusst keine offizielle Staatssprache in der Verfassung der Vereinigten
Staaten existiert, ist englisch die Sprache der Kommunikation in Alltag, Beruf
und Schule. Mit der immer grösser werdenden spanisch sprechenden Bevölkerung in
Texas, und insbesondere in Houston, werden jedoch Rufe nach der Gleichstellung
des Spanischen mit dem Englischen immer lauter. Es ist allgemein üblich, dass
die 'Hispanics' der ersten Generation sich in ihrer Sprache verständigen und
nicht englisch lernen. Dies erschwert es den Kindern dieser Einwanderer, der
englischen Sprache ebenso zu genügen wie ihre amerikanischen Mitschüler. Aus
diesem Grunde wurden die ESL (English as a Second Language)-Klassen eingeführt,
in denen Kinder spanisch sprechender Eltern auf spanisch und englisch in allen
Fächern unterricht werden, bis sie in eine rein englisch sprechende Klasse
überführt werden können. Obwohl Minoritäten aus den verschiedensten Ländern der
Welt zu finden sind (Vietnamesen, Koreaner, Chinesen, Inder u.a.), werden
ESL-Klassen nur für spanisch sprechende Kinder geführt. Dabei werden die
Schüler nicht gefragt oder geprüft, sondern dem Namen entsprechend eingeteilt.
Dies führte dazu, dass Schüler einzig aufgrund ihres spanisch klingenden Namens
in eine ESL-Klasse eingeteilt wurden, obwohl sie in Houston geboren wurden und
englisch sprachen. Nicht ohne Grund hat eine solche von der Regierung forcierte
Trennung zwischen amerikanischen und mexikanischen Kindern eine heftige
Diskussion unter Pädagogen und Eltern ausgelöst.
Ein
wichtiger Punkt beim Studium des Spracherwerbs in multikulturellen Klassen ist
die Tatsache, dass die Familie in den unterschiedlichen Kulturen nicht dieselbe
Rolle spielt und die Traditionen des Lesens und Lernens sehr voneinander
abweichen. Dies gilt sowohl für weisse, als auch schwarze und mexikanische
Familien. Während die meisten Kinder aus weissen Familien zum Stillsitzen
erzogen werden, ist die Kommunikation in den mexikanischen Familien von einem
höheren Geräuschpegel sowie Körpersprache begleitet. In schwarzen Familien
wiederum existiert die Kleinfamilie im westlichen Sinn nicht. Sie besteht
häufig aus Müttern mit Kindern verschiedener Väter, die nicht imselben Haushalt
wohnen, sowie manchmal der Grossmutter. Diese und andere komplexe Sachverhalte
sollten idealerweise im gemischtkulturellen Unterricht berücksichtigt werden.
Hinzu kommt, dass zweisprachig aufwachsende Kinder den Spracherwerb anders
vollziehen als einsprachige. Mit der Einführung der ESL-Klassen für spanisch
sprechende Kinder wollte man diesem Umstand Rechnung tragen. Allerdings hat
sich unterdessen herausgestellt, dass Schüler, die den Vermerk ESL in ihren
Abschlusszeugnissen haben, auf dem Arbeitsmarkt eine schlechtere Ausgangslage
haben als andere, da damit eine schlechtere Beherrschung der englischen Sprache
gleichgesetzt wird. Interessanterweise wurde bei verschiedenen Gegnern dieser
"Lösung" immer wieder die Schweiz als Paradebeispiel einer
multikulturellen und multilinguistischen Gesellschaft angeführt.
II.ii. COMPUTERS IN
THE CLASSROOM
Dieser
Kurs besteht aus einer intensiven praktischen und theoretischen Einführung in
die verschiedenen Möglichkeiten der Arbeit mit Computern im Englischunterricht.
Basierend auf dem Buch Using Technology in The Classroom (G. Bitter und
M. Pierson) beinhaltet er folgende theoretische und praktische Teile:

1.
Einführung in und Evaluation von verschiedener Schulsoftware (Educational
Software).
2.
Planung und Integrierung des World Wide Web im Unterricht.
3.
Vorbereitung und Anwendung von Unterrichtseinheiten auf dem World Wide Web.
4.
Suchen und Auswerten fachspezifischer Internet-Links zum Unterricht.
5.
Administration: Briefe, Newsletters, e-mails an Schüler und Eltern.
6.
PowerPoint-Präsentationen mit Graphiken, Animationen und Ton.
7.
Eine theoretische Auseinandersetzung mit ethischen und sozialen Aspekten des
Computers im täglichen Leben und in der Schule.
Die
einzelnen von mir bearbeitetenThemenbereiche können im Portfolio eingesehen werden.
Durch
den konstruktivistisch gehaltenen Stil des Kurses, hatte ich Gelegenheit, nicht
nur das neue Gelernte oder Entdeckte sofort selbst auszuprobieren, sondern
erhielt auch wertvolle Impulse für meinen eigenen Unterricht.
Der
Grundgedanke dieser Ausbildung ist es, Lehrer mit den wichtigsten
Grundkenntnissen zur Anwendung verschiedener Computerprogramme dahingehend
auszubilden, dass sie diese effizient im schulischen wie administrativen
Bereich anwenden, sowie den Schülern vermitteln können. Der Computer wird nicht
nur in eigentlichen Computerzimmern eingesetzt, sondern ist auch Bestandteil
des konventionellen Klassenzimmers, zusammen mit einer kleinen Bibliothek. Die
Schüler können so in Gruppen mit verschiedenen Medien arbeiten und sich
gegenseitig mit Informationen ergänzen.
II.iii MICROCOMPUTER APPLICATIONS IN EDUCATIONAL
MANAGEMENT
Dieser
Kurs vermittelt ebenfalls Grund- aber auch erweiterte Fertigkeiten rund um den
Computer. Angefangen bei der Geschichte der Computerentwicklung bis zu
technischen Einzelheiten, lernte ich hier besonders, folgende Anwendungen für
den Unterricht, aber auch administrative Arbeiten, wie Newsletters und
Einladungen an Eltern bis hin zur Schul-Homepage.
Auch
hier wurden direkte Bezüge zu unserer Lehrtätigkeit hergestellt. So
bearbeiteten wir beispielsweise eine Homepage für "unsere" Schule,
schrieben fiktive Einladungen an die Eltern, erstellten Datenbanken und anderes
mehr.
III. RESULTATE, ERGEBNISSE, ZUSATZQUALIFIKATIONEN
Nach
diesem Studium habe ich neben dem Einblick in die Komplexizität des
Spracherwerbs zwei- und mehrsprachiger Kinder und des Sprachunterrichts in
multikulturellen Klassen auch praxisbezogene Ideen für den sinnvollen Einsatz
des Computers im Englischunterricht erhalten. Wie weiter unten im Portfolio
ersichtlich, kann der Computer für die Informationsbeschaffung via Internet,
aber auch für ganze Lektionen, deren Instruktionen auf einer Homepage abgerufen
und wieder nachgeschaut werden können, eingesetzt werden. Die Schüler können
auf vielfältige Art und Weise zur Zusammenarbeit, zum Austausch von Ideen und
Informationen, aber auch zur selbständigen Erarbeitung eines Themas im Sinne
des konstruktivistischen Unterrichts angeregt werden. Sinnvoll und mit Bedacht
eingesetzt, kann der Computer neben der fachlichen auch die soziale Kompetenz
der Schüler fördern.
Zusammengefasst
habe ich ich konkret folgende Zusatzqualifikationen erworben:
I.
Computertechnologie im Klassenzimmer:
1.
Arbeiten mit und Anwendung des mail-servers mit Klassen. Schüler können sich
per e-mail direkt an mich als Lehrerin und/oder an ihre Mitschüler wenden.
2.
Er- und Bearbeitung von geeigneter Software für den Unterricht.
3.
Suchen und Anwenden von geeigneten Internet-Adressen für den Englischunterricht
(Bibliotheken, Archive, Zeitschriften, u.a.).
4.
Anwenden und Lehren von Powerpoint-Präsentationen, Arbeiten mit Hypertext,
Graphiken und Ton.
5.
Erstellung einer "Web-lesson", einer Homepage, die die Schüler
abrufen und von dort Anweisungen zur Bearbeitung eines Themas unter
Zuhilfenahme verschiedener Internet-Adressen erhalten.
6.
Distance Education: Schüler und Lehrer verschiedener Schulen und Länder
arbeiten über Internet an einem gemeinsamen Projekt (per e-mail und chatroom).
7.
Briefe und Rundbriefe an Eltern, Schüler und Lehrer per e-mail.
8.
Anwenden und Erstellen von Programmen für die Stundenplanung.
9.
Erstellen von Klassenzimmerplänen (graphisches Programm): Wie mache ich eine
geeignete Sitzordnung in einem Computerzimmer, wie in einem Klassenzimmer mit
Computer, Bibliothek und Diskussionstisch?
10.
Arbeiten mir Kalkulationsprogrammen: Wie erstelle ich das Budget für eine
Schulreise? u.a.
11.
Wie mache ich verschiedene Präsentationen zu unterschiedlichen Anlässen
?(Lehrerversammlung, Elternabend, u.a.)
12.
Gedanken und Überlegungen zur Bedeutung des Computers und Internets für die
Schüler von heute und morgen, insbesondere mögliche Gefahren (ethische Aspekte)
der Anwendung des Internets sowie die soziale Problematik: welche Schüler
können sich auch zuhause einen Computer leisten, um das neu Erlernte anwenden
und üben zu können?
II.
Multilinguistische Aspekte im Englischunterricht als Zweitsprache
1.
Unterschiede im Spracherwerb monolinguistischer und bilinguistischer Kinder.
2.
Phasen in der Entwicklung der Sprache und Lesekompetenz.
3.
Fähigkeit zu schreiben und lesen (literacy) und kulturelle Identität.
4.
Funktion und Einfluss der Familientradition auf den Spracherwerb des Kindes:
Herrscht zuhause eine "Tradition des Lesens und Vorlesens",
oder herrscht die mündliche Überlieferung vor? (Kulturelle Unterschiede)
5.
Vorübergehende zweisprachige Erziehung und Sozialisation von Immigranten.
6.
Kreatives Training für Fremdsprachen-Lehrer.
7.
Soziale Aspekte des Fremdsprachunterrichts. Wer ist der "Meister"?
Macht und Pädogigk in der Erziehung von anderssprachigen Kindern.
IV. BESUCHTE SCHULEN IN HOUSTON UND UMGEBUNG
Während
meines Aufenthaltes hatte ich Gelegenheit, verschiedene Schulen zu besuchen,
mit Lehrern und Rektoren sowie Schülern Gespräche zu führen, und Lektionen zu
sehen. Wie ich feststellen konnte, variieren sowohl Schulphilosophie wie auch
Unterrichtsinhalte erheblich von einer Schule zur anderen. Einig sind
sich alle darin, dass etwas gegen Gewalt und Disziplinlosigkeit in Schulen
getan werden muss. Über Ursachen und Lösungen existieren allerdings
verschiedene Theorien. Traditionellerweise werden viele Schulen in den von
Schwarzen bewohnten Gebieten von Kirchen geführt oder unterstützt.
Auffallend in allen Schulen ist der Stellenwert, den die Disziplin hat. Jeder
Lehrer ist für absolute Disziplin der Schüler verantwortlich, dies sowhl während
des Unterrichts, als auch in den Pausen. Auch wird grosser Wert auf Kontakt mit
den Eltern gelegt. Bei Absenzen werden diese sofort telefonisch beachrichtigt.
Praktisch
jede Schule hat eine eigene Homepage, die kurz ihre Politik und ihr Leitbild
vorstellt. Ausserdem findet man dort jeweils Namen und Adressen der
Lehrpersonen. An allen Schulen erfüllt auch hier die Arbeit am Computer und mit
dem Computer eine wichtige Funktion. Durch die Einführung des Gesetzes,
dass alle Schüler schon in der Primarschule mit dem Computer vertraut gemacht
werden müssen, sind die Lehrer gezwungen, eine entsprechende Ausbildung zu
absolvieren.
Nachfolgend
die Homepages einiger von mir besuchten Schulen, die sich hier selbst
vorstellen und einen Eindruck ihrer Philosophie geben:
Ich
hatte die Möglichkeit, diese Schule am Anfang meines Aufenthaltes zu besuchen,
nachdem ich zufällig mit einem dort tätigen Lehrer ins Gespräch kam, während
wir beide auf die Reparatur unserer Autos warteten.
Wegen
der grossen Sicherheitsrisiken und entsprechenden Vorschriften kann keine
Schule ohne vorherige Anmeldung besucht werden.
Nachdem
ich mich am Eingang beim Sicherheitsbeamten angemeldet hatte, wurde ich zur
Eingangshalle geführt, wo ich eine Namenstafel erhielt und als Besucher
klassifiziert wurde. Mein Bekannter, ein Musiklehrer an der Schule, stellte
mich anschliessend verschiedenen Lehrern vor; und ich hatte die Möglichkeit,
mich mit diesen zu unterhalten. Schliesslich begleitete ich ihn während des
ganzen Tages und konnte zwischendurch auch ESL (English as a Second
Language)-Klassen sehen. Lehrer, wie auch Schüler waren sehr interessiert, mehr
über Europa und die Schweiz zu erfahren. Der Schultag beginnt für die Lehrer um
8 Uhr morgens und endet zwischen 17 Uhr und 18 Uhr. Wenn sie keinen Unterricht
haben, bereiten sie vor, korrigieren oder beaufsichtigen ihre Schüler. Während
der Mittagspause muss jeder Lehrer bei seiner Klasse sein und ist
verantwortlich für deren Verhalten. An diesem Tag fand ebenfalls ein
Elternabend statt, der von 18 Uhr bis 21 Uhr dauerte. Die Eltern zeigten
grosses Interesse für die Leistung und das Benehmen ihrer Söhne und Töchter in
der Schule.
Die
Schule ist eine typische Middle Class Schule, wo man Schüler aus verschiedenen
Schichten und verschiedener Hautfarbe vorfindet.
IV.ii. CREEKWOOD MIDDLE SCHOOL
Diese
Schule befindet sich etwa 20 Meilen nördlich von Houston in einem parkähnlichen
Gelände. Sie unterscheidet sich vornehmlich von den anderen dargestellten
Schulen darin, dass mehrheitlich weisse Lehrer weisse Schüler unterrichten,
aber auch darin, dass sie mehr Geld zur Verfügung hat. Dementsprechend
ist sie gut mit technischen Geräten ausgerüstet. Jeder Lehrer verfügt über
einen eigenen Computer mit Internetanschluss, während die Schüler Zugang zu
verschiedenen Computerzimmern haben. Ausserdem steht Schülern und Lehrern eine
umfangreiche Bibliothek zur Verfügung.
Ich
hatte die Gelegenheit, eine Französischstunde zu besuchen und mich
anschliessend beim Mittagessen mit der Lehrerschaft zu unterhalten.
Obwohl
die Lehrerin ihren Schülern Gelegenheit gab, mir Fragen über die Schweiz und
Europa zu stellen, war das Interesse, im Unterschied zu den anderen drei Schulen
sehr gering. Disziplin ist hier kein Problem, wie mir die Lehrer versichern.
IV.iii.LIFE MINISTRIES CHRISTIAN
ACADEMY
Ich
wurde durch einen Zeitungsartikel in der Houston Press auf diese Schule
aufmerksam, der darauf hinwies, dass der Rektor, Dr. Leon Spivey, selbst in
dieser "neighborhood" aufwuchs und es sich zum Ziel gemacht hat, den
Kindern und Jugendlichen dieser ausschliesslich schwarzen, armen Wohngegend die
besten Chancen für eine gute Ausbildung zu geben. Viele seiner Schüler hatten
disziplinarische Probleme in den öffentlichen Schulen bevor sie zu ihm kamen.
Im
'5th ward', wie dieser Stadtteil, in dem ich auch wohne, genannt wird, sehe ich
viele junge Männer auf der Strasse, die trinken und Musik hören sowie Kinder,
die unbeaufsichtigt in den Strassen und Parks spielen. Dr. Spivey hat es sich
zum Ziel gemacht, den Jungen durch eine gute Ausbildung nicht nur
Selbstbewusstsein, sondern auch den Glauben an die Möglichkeit einer Änderung
ihrer Situation zu geben.
Nach
einem kurzen Gespräch mit Dr. Spivey hatte ich Gelegenheit, mich den Schülern
vorzustellen und ihnen Fragen über mich und die Schweiz zu beantworten.
Dr
Spivey, der neben seiner Funktion als Lehrer und Rektor auch Geistlicher ist,
legt Wert auf das tägliche Gebet, das die Schüler am Anfang jeden Schultages
gemeinsam beten. Auch hier spielt Disziplin eine grosse Rolle, und die Schüler
tragen eine Schuluniform. Dr. Spivey ist davon überzeugt, dass ein Grund für
das oberflächliche, materialistische Leben der amerikanischen Bevölkerung im
Verlust der spirituellen Werte liegt.
Einige
Schüler haben eine eigene Homepage errichtet, in der sie kurz über sich und ihre
Zukunftspläne schreiben. Besonders in dieser Schule, die sich im
Schwarzenviertel befindet, wird grosser Wert auf Respekt und Stärkung des
Selbstbewusstseins gelegt.
IV.iv. Houston Highschool of
Law Enforcement
Diese
Schule befindet sich in der Stadt und ist auf die Ausbildung zukünftiger
Polizisten, Anwälte und Richter spezialisiert und bietet entsprechende
Zusatzfächer in Rechtskunde sowie Besuche von Gerichtsverhandlungen an.
Nach Abschluss der Ausbildung können die Schüler Jura oder Polizeikunde
studieren. Doch gibt es auch einige, die später einen anderen Weg einschlagen
wollen und die Schule wegen ihres guten Rufes gewählt haben. Die
Französichlehrerin, die mir zu einem Besuch der Schule verhalf, traf ich
zufällig im neu gegründeten Holocaust Museum in Houston, wo sie neben ihrer
schulischen Tätigkeit als Museumsführerin arbeitet.
In
dieser gemischt kulturellen Klasse war das Interesse ebenfalls gross, über das Leben
in der Schweiz zu erfahren.
Diese
Schule ist die einzige der von mir besuchten, die noch über keine Homepage
verfügt.
Texas, der zweitgrösste Staat nach Alaska,
liegt im Südwesten der Vereinigten Staaten, umrahmt von Louisiana, Arkansas,
Oklahoma und New Mexico, am Golf von Mexiko. Es hat zwei Zeitzonen: Central und
Mountain Standard time. Der Staat umfasst 261,914 Quadratmeilen Land and
5,363 Quadratmeilen Wasser. Geographie, Geologie und Klima variieren regional.
Houston, im Südosten, hat tropisches Klima.
Breiten- und Längengrade von Texas:
Texas
reicht von Breitengrad 25° 50' N. an der südlichsten Biegung des Rio Grande bis
zum Breitengrad 36° 30' N. entlang der nördlichen Linie des Panhandle, und von Längengrad
93° 31' W. am östlichsten Punkt am Sabine River an der Ostlinie von Newton
County zum Längengrad 106° 38' W. am westlichsten Punkt am Rio Grande
über El Paso.
USA


Folgende
Daten stammen aus dem Texas Almanach aus dem Jahre 1990. Seither ist die
Bevölkerung gesamthaft auf etwa 20,000,000 gestiegen.
Population (1990 U.S. Census): 16,986,510
Population (Jan. 1996 State Data Center estimate): 18,898,391
Population (July 1996 U.S. Bureau of the Census estimate): 18,378,185
Ethnicity (1990) :
Population density: (1995) 71.5 per sq. mi.
Die
offizielle Geschichte von Texas ist von siegreichen Schlachten und Eroberungen
geprägt. Die soziale Geschichte, die einen grossen Einfluss auf die Erziehung
der Bevölkerung und damit die Schulen hat, wird allerdings nicht kritisch
dargestellt und auch nicht gelehrt.
VI. MEIN LEBEN IN HOUSTON, TEXAS
Dieser
kleine Exkurs soll nur einen Eindruck über mein Leben und meine Eindrücke in
Houston geben und kann entsprechend nicht komplett sein. Meine Erlebnisse,
Eindrücke und Erfahrungen dieser knapp vier Monate sind so vielfältig, dass es
schwer ist, sie auf kurzem Raum zusammenzufassen.
Mit
1.750.000 Einwohnern ist Houston die grösste Stadt in Texas. Am Golf von Mexiko
gelegen hat es tropisches Klima.
Houston,
eine pulsierende Stadt, im südöstlichen Texas, ist von Gegensätzen geprägt. Auf
der einen Seite die hochtechnisierte und moderne Innenstadt, wo das
"Business" regiert; auf der anderen Seite der Hermann Park, umrahmt
von verschiedenen, sehr interessanten Museen, der eine gewisse Ruhe ausstrahlt.
Da ist das Holocaust
Museum, das kürzlich von Nachkommen der von den Nazis
ermordeten Juden gegründet wurde. Das Museum zeigt Fotos, Artifakte,
geschichtliche Dokumente sowie Zeugenaussagen und einen historischen Abriss der
Judenverfolgung. Weitere bemerkenswerte Museen sind das Museum of Fine Arts, das Contemporary Arts Museum, die Rice University Art Gallery, aber auch
das Children's
Museum.
Im
Unterschied zum Holocaust der Juden wird der Holocaust der Afroamerikaner noch
immer totgeschwiegen. Da er offiziell inexistent ist, befand es bis heute auch
noch kein amerikanischer Präsident für adäquat, sich im Namen des
amerikanischen Volkes zu entschuldigen. Aber nicht nur weisse Amerikaner, auch
Schwarze vermeiden es oft bewusst, über ihre Geschichte zu sprechen. Wir sind
hier im tiefsten Süden der Vereinigten Staaten; und fast jeder Schwarze, den
ich treffe, ist Nachfolger ehemaliger Sklaven auf den Baumwollfeldern. Die
Generation Marys, 65, erlebte zwar offiziell das Sklaventum nicht mehr, jedoch
sehr bewusst die Segregation und arbeitete selbst auf dem Baumwollfeld für $3
pro Tag, zwölf Stunden pro Tag. Die Mentalität der Sklavenhaltung hat sich
nicht geändert. Dies widerspiegelt sich täglich in allen Situationen. Wenn
einer meiner schwarzen Freunde in ein Geschäft geht, so traut man ihm nicht. Er
wird misstrauisch beobachtet. Anders, wenn ich dabei bin. Man glaubt mir, einer
weissen Frau, allein aufgrund der Hautfarbe. Noch heute ist die Chance eines
jungen Schwarzen 8 zu 10, eine gewisse Zeit seines Lebens im Gefängnis zu
verbringen. Jede schwarze Familie, die ich kennengelernt habe, hat die
Gefängnisse auf die eine oder andere Art kennengelernt. Die Chance, für
Bagatellen, wie Papier auf den Bürgersteig zu werfen oder öffentlich Alkohol zu
trinken, verhaftet zu werden und dafür ins Gefängnis zu kommen, ist gross. Dies
gilt theoretisch für alle Bürger, doch sieht man einzig Schwarze, Mexikaner und
arme Weisse ('white trash'), wenn man einer Verhandlung beiwohnt. Diese sind
öffentlich und finden jeden Tag von morgens bis abends statt. Da die meisten
der Verhafteten nicht über das nötige Geld verfügen, verbringen sie ein oder
zwei Nächte im Gefängnis und/oder müssen eine vom Richter festgelegte Anzahl
Stunden im Dienst der Gemeinde abarbeiten. Dabei werden sie von Uniformierten
mit Stetson überwacht. Die Gefängnisindustrie ist die grösste und bietet die
meisten Arbeitsplätze. Polizei und Uniformierte sind überall präsent, auch in
den Schulen. Die Erziehung scheint sich mittels Drohung und Strafe zu
vollziehen. Dies ist zwar nicht der Fall an den Schulen. Hier finde ich einen
offenen, konstruktivistischen Unterricht. Doch scheint der Einfluss der
Gesetzeshüter auf die Erziehung der Gesellschaft grösser zu sein, als jener der
Pädagogen.
Die
Reaktionen und Art und Weise der Schwarzen mit ihrer Situation fertig zu
werden, variieren von Passivität und Resignation über Versuche, mittels
Ausbildung Karriere wie die Weissen zu machen bis hin zum Aufruf zum
Widerstand. Leider trauen viele Schwarze sich untereindander nicht. Sie haben
nicht den starken Zusammenhalt als Gruppe wie die Weissen und die Mexikaner.
Bei einem Vortrag eines Geschichtsprofessors in Austin wurde mir erst klar,
dass die Geschichte des Sklaventums in Amerika, und insbesondere dem Süden,
viel älter ist, als die der Abschaffung. Unter Sklavenhaltern war es üblich,
die Männer zu verkaufen, während Mütter und Kinder behalten wurden.
Will
man mehr über die Geschichte und Kultur der Afro-Amerikaner erfahren, muss man
bei den schwarzen Kirchen suchen. Dort werden häufig Bücher und Kunstwerke
afrkanischer oder afro-amerikanischer Künstler gelesen, diskutiert und verkauft.
Eine solche Kirche in Houston
ist The Shrine of The Black Madonna.
Doch auch
bei den Kirchen variieren die Philosophien und Haltungen zwischen friedlichem
und revolutionärem Gedankengut.
Houston
reflektiert auf der einen Seite den Glauben an den technischen Fortschritt und
die Macht des Geldes, auf der anderen Seite den dogmatischen Einfluss
verschiedenster Kirchen und fundamentalistischer Evangelisten. Wir sind hier im
"Bible Belt"; und wie mir ein junger Texaner sagte, genau in der
Schnalle des Bibelgürtels. Gleichzeitig sieht man auch die Kirchen als
'Business', die in Fernsehen und Radio Werbung für sich machen. Die besten
Prediger verdienen am meisten. Wenn man nicht selbst beten kann oder will, kann
man einen Teleprediger dafür bezahlen, dass er ein spezielles Gebet für eine
Person spricht.
Fernsehen
und Radio sind von Werbung und dem Versprechen, dass es jeder schaffen kann,
geprägt. Das höchste Ziel ist es, soviel Geld wie möglich zu machen, egal wie.
Nachrichten ausserhalb der Region oder des Staates erfährt man nur, wenn man
BBC News erhält oder Radio National. Die täglichen Nachrichten am Fernsehen
bestehen aus Mitteilungen über regionale Unglücke, Morde und Unfälle, immer
wieder unterbrochen vom Werbefernsehen.
Als
ich Schüler an der Law Enforcement School fragte, warum sie Anwälte werden
wollten, sagte mir einer, er wolle reich werden, ein anderer, er wolle im Luxus
leben. Ein dritter sagte, er wolle den Armen helfen. Als ich ihn fragte, ob er
'pro bono' arbeiten werde, d.h. gratis, wenn ein Klient ihn nicht bezahlen
könne, verneinte er.
Houston
gilt in Texas als modernste und multikulturellste Stadt. Man findet Kulturen
und Familien aus den verschiedensten Ecken der Welt.
Die
Wohngebiete sind jedoch auffallend nach Rassen getrennt; man findet hier
ausschliesslich schwarze, mexikanische oder weisse ('kaukasische') Siedlungen.
Die meisten Weissen sind allerdings schon lange aus der Innenstadt in neu
gegründete Wohngebiete nördlich von Houston gezogen. Obwohl gesetzlich keine
Rassen diskriminiert werden dürfen, herrscht hier die Mentalität der
Rassentrennung noch immer stark vor. Bei Volkszählungen unterscheidet man
'Weisse' von 'Blacks', 'Hispanics' und 'others'.
Da ich
regelmässig nach Houston reise, kenne ich mich dort aus und hatte keine
Probleme, mich einzuleben. Dennoch lernte ich jeden Tag Neues dazu. Zu den
praktischen Dingen gehörte, dass ich mir ein Auto kaufen musste, da es
unmöglich ist, ohne eigenes Transportmittel vorwärtszukommen. Nachdem Michael
mich vorgehend per Brief über technische Details und Tücken beim Autokauf in
Texas aufmerksam gemacht und instruiert hatte, machte ich mich in der ersten
Woche auf den Weg und sah mir verschiedene Gebrauchtwagen bei mehreren
Autohändlern an. Schliesslich wurde ich fündig und kaufte einen Ford Probe '89,
der nie irgendwelche Probleme machte. Der nächste Schritt war die Texas
Driver's License. Da keine ausseramerikanischen Führerscheine akzeptiert
werden, ging ich nochmals durch die Erfahrung der schriftlichen und praktischen
Prüfung zum Erwerb des Führerscheins. Dies war notwendig, um rechtmässige
Besitzerin eines in Texas registrierten Autos zu sein.
Michaels
Mutter, bei der ich wohnte, lebt im "5th ward", einem Schwarzenviertel
von Houston, das nahe der Stadtmitte ist. Somit betrug mein Weg zur Universität
nicht mehr als sieben Minuten.
Obwohl
ich einzige Weisse in '5th ward' war, hatte ich niemals Probleme und wurde
nicht nur respektiert, sondern auch akzeptiert. Die Menschen hier sind sehr
gastfreundlich und herzlich. Ich lernte schnell die kleinen Läden um die Ecke
und deren Besitzer (Vietnamesen und Mexikaner) kennen, bei denen ich einkaufen
ging. Ich wurde zwar von einigen weissen Texanern gewarnt, mich in dieses
Gebiet zu begeben, doch war von ihnen keiner jemals hier und kannte diese
Gegend nur vom Hörensagen.
Mary
Norris, bei der ich jedes Mal wohne, wenn ich in Houston bin, hat einen kleinen
Coiffeurladen gleich nebenan. Sie hat das Haus und den Coiffeursalon damals
selbst mit ihrem Mann gebaut. Natürlich kommen nur schwarze Frauen und Kinder
aus der Gegend zu ihr, die oft selber kaum Geld haben. Also verlangt sie nicht
so viel. Ihr Mann ist vor einigen Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Sie
hat schwere Diabetes und erhält eine Rente von $ 500.00 im Monat. Neben
Michael, in der Todeszelle in Huntsville, hat sie drei weitere Söhne und zwei
Töchter, die nicht oder nur sporadisch arbeiten und Geld verdienen. Mary
ist der Mittelpunkt der Familie. Obwohl die Söhne und Töchter untereinander
kaum Kontakt pflegen, melden sie sich täglich bei der Mutter. Auch Neffen
tauchen ab und zu bei Mary auf und verbringen eine oder mehrere Nächte in ihrem
Haus, bis sie wieder gehen. Einer ist vor kurzem nach sieben Jahren aus dem
Gefängnis entlassen worden und wohnt nun bei Mary, bis er eine eigene Wohnung
hat. Kurz nach seiner Entlassung hat er eine Stelle gesucht und gefunden. Für 7
Dollar pro Stunde fährt er einen Lieferwagen für ein Delikatessengeschäft. Er
muss sich jede Woche beim 'Parole Officer' (Bewährungsbeamter), melden.
Sozialarbeiter gibt es nicht. Zur Zeit wohnt Calvin, ein jüngerer Bruder
Michaels, bei seiner Mutter. Manchmal gehen wir alle zusammen essen, manchmal
isst jeder für sich, aber meistens kocht Mary eines ihrer wunderbaren
"Cajoun Style"-Gerichte.
Marys
Mutter ist 84 Jahre alt und wohnt in Chappellhill, einer kleinen Stadt
nordöstlich von Houston, etwa eine Stunde Autofahrt. Mary besuchte sie früher
jeden Monat. Seit einiger Zeit hat sie kein Auto mehr; so gehe ich ab und zu
mit ihr. Chappelhill liegt in einer sanften hügeligen Landschaft im Grünen, auf
dem Weg nach Dallas. An Thanksgiving Day wird die ganze Familie zusammenkommen.
Ich
habe mein eigenes Zimmer mit einem kleinen Sekretär, wo ich gut arbeiten kann.
Kleine
Wochenendausflüge führten mich nach Austin, Dallas und New Orleans in
Louisiana. Houston hat durch seine Lage am Golf von Mexiko ein tropisches
Klima. Eine Stunde Autofahrt Richtung Osten liegt Galveston, eine kleine Stadt am
Golf, wo viele Houstonians das Wochenende verbringen. Der Strand ist zwar
schön, doch ist das Wasser nicht sehr sauber und auch nicht besonders
erfrischend, ist es doch wärmer als die es umgebende Luft. Viele Anwohner
lieben es, hier zu fischen. Auch hat Galveston, nach New Orleans, das nur etwa
vier Autostunden östlich liegt, die Tradition des "Mardi Gras", der
viele Besucher anzieht.
VII.Persönliche Überlegungen und Eindrücke
Universität
Ursprünglich
war es meine Absicht, neben einem Computerkurs eine Ausbildung in
"Distance teaching" und "Distance learning" zu machen. Doch
wurde im Herbst 1999 kein solcher angeboten. Dennoch habe ich einen Eindruck
davon gewissermassen während der Computer-Ausbildung bekommen, indem wir
Techniken lernten, wie man E-mail-Konten für ganze Klassen, einzelne Schüler, aber
auch deren Eltern einrichtet, deren Zweck der Übermittlung von Hausaufgaben,
Prüfungen und Ankündigungen dient. Auch unsere Arbeiten sandten wir via FTP auf
den Server der Universität, wo sie von den Professoren bewertet und die
Bewertung per e-mail wieder an uns zurückgeschickt wurde.
Ich
denke, dass ich meine diesbezüglich erworbenen Kenntnisse besonders im
Pilotprojekt KV 2000, wo ich ab Sommer 2000 auch unterrichten werde, in den
Unterricht einbringen kann.
Was
die Kurse an der Universität betrifft, so war und bin ich besonders von dem
modern und wissenschaftlich überzeugend gehaltenen Unterrichtsstil beeindruckt.
Die Dozenten wiesen eine Begeisterung für ihr Fach auf, die die Studenten
überzeugte. Ebenso überzeugte mich die Tatsache, dass die Dozenten trotz dieser
Begeisterung kritisch waren und die Lernenden darauf hinwiesen, dass es wichtig
sei, grundsätzlich die Zweckmässigkeit des Computereinsatzes im Einzelfall
genau zu studieren, bevor man in das Klassenzimmer geht.
Rückblickend
habe ich das Ziel, das ich mir gesetzt hatte, mehr über die Anwendung der
Computer im Unterricht zu erfahren sowie die Problematik des zweisprachigen
Unterrichts etwas besser zu erfassen, erreicht und darüber hinaus weitere
Erkenntnisse erlangt, von deren Existenz ich bei der Planung meines Projektes
noch nicht wissen konnte.
Schulen
Besonders
positiv fiel mir auf, dass alle Lehrer, die ich teilweise zufällig traf, mich
spontan einluden, ihre Schule und Lektionen bei ihnen oder ihren Kollegen zu
besuchen, ohne mich vorher anzumelden. Aus Sicherheitsgründen musste ich mich
jeweils beim Eingang anmelden; doch konnte ich jederzeit irgendeine Klasse
besuchen.
Jeder
Lehrer hat eine tägliche Präsenzzeit von 7.30 bis 17.00 oder 17.30, während
derer er neben dem Unterricht, zusammen mit Kollegen, Prüfungen korrigiert und
schreibt, Lektionen vorbereitet und seine Schüler beaufsichtigt. Jeder Lehrer
ist während des gesamten Schultags für seine Schüler verantwortlich. Das gilt
auch ausserhalb seiner Lektionen, während Pausen und Mittagszeit.
Grosser
Wert wird überall auf die Ausbildung am und mit dem Computer gelegt, was auch
darin begründet liegt, dass dies nun gesetzlich vorgeschrieben ist. Ausserdem
muss jede Schule ihre Qualität mit der Veröffentlichung ihrer TAAS-Resultate
(s.unten) unter Beweis stellen.
Es
fiel mir auf, dass sowohl Schüler, wie auch Lehrer mich immer wieder fragten,
wie das Schulsystem in Europa sei, weil es viel besser sei als das
amerikanische. Lehrer wie auch Schüler erklärten, dass ihre Ausbildung nicht so
solid sei wie die europäische. Entgegen meiner ursprünglichen Auffassung waren
Schüler wie auch Lehrer sehr interessiert, mehr über das Bildungswesen und
Leben in Europa zu erfahren. Mit den Lehrern stehe ich noch immer in Kontakt.
Mit einer Lehrerin habe ich die e-mail-Adressen unserer Schüler ausgetauscht
und hoffe, dass es einige e-mail-Freundschaften zwischen Zürcher und Houstoner
Schülern geben wird.
Die
Stadt
Wenn
man die einzige offizielle Zeitung dieser Millionenstadt, den 'Houston
Chronicle', aufschlägt, so fällt auf, dass jeden Tag mindestens eine Nachricht
einen Mord oder eine Gerichtsverhandlung beschreibt. Die Stadt selbst weist
eine beeindruckende Zahl von Gerichtsgebäuden auf; auch die Gefängnisse (County
jail und City jail) sind nicht zu übersehen. Die Innenstadt ist geprägt von
Uniformierten und Streifenwagen, ebenso wie Anwälte und Richter in vornehmen
europäisch geprägten Anzügen. Diese Vertreter des Volkes geniessen einen hohen
Status und werden mehr respektiert als Lehrer. Bezeichnenderweise fühlen sie
sich verantwortlich für die öffentliche Erziehung ('public education'). Vieles,
das in Europa erlaubt ist, ist hier strafbar:Genuss von Alkohol ausserhalb von
Häusern oder Transport alkoholischer Getränke im Auto ('public
intoxication'), Papier oder Zigaretten auf die Strasse werfen ('littering'),
abgelaufener Inspektionskleber am Auto und anderes. Obwohl die Verkehrsregeln
sehr streng sind, und die 'Freeways' rund um die Uhr mit Monitoren überwacht
sind, werden jeden Tag Unfälle und Festnahmen wegen überhöhter Geschwindigkeit
('speeding') gemeldet.
War
ich am Anfang entsetzt über gewisse Gesetze und Verhaltensweisen der
'Houstonians', so hatte ich mich am Schluss meines Aufenthaltes daran gewöhnt.
Houston ist, wie viele Städte in den Vereinigten Staaten, voller Gegensätze.
Auf der einen Seite eine hohe Kriminalitätsrate, auf der anderen Seite eine
ausgeprägte Kultur- und Museumslandschaft, die sehenswert ist; auf der einen
Seite das riesige Gefängnis (County Jail), auf der sprichwörtlich anderen Strassenseite
das wunderschöne Opernhaus und Theater mit Parkanlage. Einerseits mittelmässige
Schulen, was Lehrpläne und Anforderungen betrifft (das ist sowohl Lehrern als
auch Schülern sehr bewusst), andererseits hervorragende Universitäten.
Einerseits eine Unmenge von Schulen, andererseits eine erstaunlich hohe
Analphabetenzahl. Die Liste könnte noch weitergeführt werden.
Genauso
widersprüchlich wie diese Facetten einer Grossstadt des amerikanischen Südens
sind auch die Gefühle des Besuchers: fasziniert und entsetzt gleichermassen.
Sehr
beeindruckt war ich von den in Houston lebenden Menschen, ihrer
Gastfreundlichkeit und Spontaneität, sowohl in der schwarzen Siedlung, wo ich
wohnte, als auch an der Universität, wo ich studierte sowie den Schulen, die
ich besuchte. Entsprechend einfach war es für mich, mich in dieser grossen
Stadt mit ihren 8 bis 10-spurigen Freeways einzuleben. Schon nach sehr kurzer
Zeit hatte ich das Gefühl, ich hätte schon immer in Texas gelebt.
Abschliessend
möchte ich nochmals auf die Wichtigkeit eines solchen kulturellen Austausches
in jeder Hinsicht hinweisen. Ich werde diesen Austausch weiterhin verfolgen und
hoffe, auch meine Schüler dafür begeistern zu können, und sei es nur auf dem
Korrespondenzweg.

Besuch bei "Big Mama" in Chappellhill


B. Links zum texanischen Bildungsserver
TAAS (Texas Assessment of Academical Skills)
Diese
staatliche Abschluss-, Aufnahme- oder Übertrittsprüfung auf den verschiedenen
Schulebenen und in verschiedenen Fächern spielt sowohl für die Schüler (als
Aufnahmeprüfung) wie auch für die Schulen (als "Qualitätsmerkmal")
eine grosse Rolle. In Texas unterscheidet man zwischen "Mainstream
classes", "ESL-classes" und "Special Education
classes". Ensprechend werden auch die Anforderungen der Aufnahme- oder
Übertrittsprüfungen angepasst.
"Mainstreamclasses"
haben Schüler, die in englischer Sprache und Ausdruck den allgemein
verbindlichen Anforderungen entsprechen. Dies sind meist englisch sprechende
Amerikaner, die auch in den Familien englisch sprechen.
"ESL
(English as a Second Language)-classes" werden für spanisch sprechende
Schüler geführt. Der Unterricht ist auf die speziellen Bedürfnisse der Schüler
abgestimmt und stellt entsprechend weniger hohe Anforderungen an den englischen
Sprachgebrauch. Diese Schüler sind zweisprachig (spanisch und englisch) und lernen
die Zweitsprache demzufolge anders als muttersprachige Kinder.
In
"Special Education Classes" werden Schüler unterrichtet, die aus
unterschiedlichen Gründen einen speziellen Unterricht brauchen. Die Lehrer
haben eine Spezialausbildung. Dazu gehören u.a. autistische Kinder.
Schliesslich gibt es die Klassen für besonders talentierte
("gifted")Schüler. All diese Klassen sind an allen Schulen vertreten.
Obwohl sie klassenweise getrennt sind, versucht man sowohl die ESL- als auch
die Special Education-Schüler, schliesslich in die "Mainstream"-
Klassen zu integrieren, was allerdings realistischerweise zumeist Theorie
bleibt.
State Texas Education Rules
Hier informiert der texanische Bildungsrat über verschiedene Gesetze,
Verordnungen und Inhalte zu Schule und Bildung in Texas.
Congress of Houston Teachers
Diese
für Lehrer entwickelte Site informiert und berät Lehrer in den verschiedenen
Bereichen ihres Berufes. So werden Gesetzesänderungen erläutert,
Stellenangebote publiziert sowie nützliche Adressen für verschiedene Aspekte im
täglichen Leben des Lehrers angegeben.